Glossar
BOM (Stückliste / Bill of Materials)
Eine Stückliste – international BOM, Bill of Materials – ist die vollständige, strukturierte Aufstellung aller Rohstoffe, Bauteile und Baugruppen mit Mengen, die für eine Einheit eines Fertigerzeugnisses benötigt werden. Sie ist das Rezept, aus dem Fertigung, Einkauf und Kalkulation lesen.
Was es ist
Bei einem einfachen Produkt ist die Stückliste kurz: so viele Meter Material, so viele Schrauben, so viel Klebstoff und ein Etikett pro Stück. Bei allem, was in Stufen montiert wird, entsteht ein Baum – die mehrstufige Stückliste –, in dem das Fertigerzeugnis aus Baugruppen besteht, die wiederum eigene Teilelisten haben. Jede Position nennt Artikel, Einheit, Menge je Fertigeinheit und in einem guten System auch den erwarteten Verschnitt oder Ausschuss.
Im ERP ist die Stückliste Stammdatum, kein Dokument. Sie hängt am Artikel, trägt eine Version, damit Änderungen nachvollziehbar bleiben, und wird von Materialbedarfsplanung, Fertigungsaufträgen, Kalkulation und Einkauf automatisch gelesen. Ändert sich eine Baugruppe, wird die Stückliste einmal angepasst, und alle nachgelagerten Berechnungen folgen.
Warum es für ein wachsendes Unternehmen wichtig ist
Ohne gepflegte Stückliste wird der Materialbedarf aus Erfahrung geschätzt: Der Fertigungsleiter weiß ungefähr, was ein Auftrag über tausend Stück braucht, und der Einkauf bestellt sicherheitshalber etwas mehr. Das funktioniert, bis Varianten, Ausführungen und Kundenanpassungen zunehmen – dann wächst entweder das Lager oder die Linie steht, weil ein Bauteil fehlt, das niemand mitgezählt hat.
Die Stückliste macht aus dieser Erfahrung eine Regel, die das System auf jede Auftragsgröße anwenden kann. Sie macht die Kalkulation ehrlich – die Materialkosten eines Produkts sind die Summe seiner Positionen zu aktuellen Preisen – und den Verbrauch messbar, weil Ist-Verbrauch und Soll-Verbrauch verglichen werden können. Für Nachkalkulation und Bewertung des Lagerbestands ist genau diese Nachvollziehbarkeit auch gegenüber dem Steuerberater wertvoll.
Wie AutoProbaho es einsetzt
In den Fertigungs-ERPs, die AutoProbaho entwickelt, ist die Stückliste die Verbindung zwischen Auftrag und Werkstatt: Ein Auftrag über Artikel und Menge wird in Materialbedarfe aufgelöst, erzeugt über MRP Bestellvorschläge und bildet die Grundlage für Materialentnahme und Verbrauchsabweichungsberichte. Stücklisten sind versioniert, aus Excel importierbar und von den Fachleuten pflegbar, die das Produkt wirklich kennen.
Häufige Fragen
Es ist dieselbe Idee in unterschiedlichen Branchen. Die diskrete Fertigung spricht von Stückliste oder BOM, Lebensmittel- und Chemieproduzenten von Rezeptur oder Formel. Ein ERP behandelt beides gleich: eine Liste von Einsatzstoffen und Mengen je Einheit Ausbringung, optional mit Verschnitt- oder Ausschussanteil.
Jede Position kann einen Verschnitt- oder Ausschusszuschlag tragen, und größen- oder ausführungsabhängige Mengen lassen sich als Varianten der Basisstückliste modellieren. Entscheidend ist, dass der Zuschlag im System steht und regelmäßig gegen den Ist-Verbrauch geprüft wird, statt nur im Kopf eines Mitarbeiters zu existieren.
Wer verkauft, was er einkauft, gewinnt durch eine Stückliste nichts. Wer aber Sets zusammenstellt, umpackt oder leicht montiert, profitiert schon von einer einstufigen Stückliste, weil das System Komponenten in einem Schritt verbrauchen und Fertigbestand erzeugen kann.
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